Wir über uns

Die Deutsche-Bunsen-Gesellschaft

Die Deutsche-Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie e.V. (DBG) ist eine gemeinnützige wissenschaftlich-technische Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie wurde im Jahre 1894 als "Deutsche Elektrochemische Gesellschaft" gegründet und trägt den jetzigen Namen seit über 50 Jahren.

Zurzeit hat die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie ca. 1.300 Mitglieder, die im Hochschulbereich, in der Industrie und in Forschungsinstituten sowohl in Deutschland als auch im Ausland tätig sind.

Weitere Informationen über die Gesellschaftsstruktur sowie unsere Aufgaben und Aktivitäten finden Sie auf den entsprechenden Seiten dieser Webseite.  

Historische Entwicklung

Physikalische Chemie als eigenständiges Fachgebiet

"Es gibt viele chemisch-technische Vorgänge, zu deren Verständnis physikalische Grundlagen erforderlich sind, und andererseits gibt es physikalische Vorgänge, die nur mit solider Kenntnis chemischer Stoffeigenschaften erklärt werden können. Aus dieser Notwendigkeit hat sich im Laufe der Zeit die Physikalische Chemie als Bindeglied zwischen Chemie und Physik am eigenständigen Fachgebiet entwickelt." (F. Bergler [2013]: Physikalische Chemie für Nebenfächler und Fachschüler)

Die ersten Lehrgänge zu Themen aus der physikalischen Chemie wurden bereits um das Jahr 1745 an der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften von Michail Lomonossow gehalten. Ende des vergangenen Jahrhunderts machten dann Wilhelm Ostwald, Jacobus Hendricus van't Hoff und Walther Nernst das Grenzgebiet zwischen Physik und Chemie zu einer eigenständigen Wissenschaft. Hauptziel war die quantitative Beurteilung chemischer Vorgänge mit den Methoden der Physik, vor allem Thermodynamik und Kinetik.

Weitere Informationen über Wilhelm Ostwald, Jacobus Hendricus van't Hoff und Walther Nernst finden Sie beispielsweise in der Online-Enzyklopädie unter ChemgaPedia.de.

 

Entstehung  der ersten Gesellschaft zur Pflege der neuen Wissenschaft

Auf Anregung von Wilhelm Ostwald wurde am 21. April 1894 die "Deutsche Elektrochemische Gesellschaft" in Kassel gegründet. Die Gründungsversammlung wird mit 26 Teilnehmern von Walther Jaenicke als „Hauptversammlung Nr. 0“ bezeichnet. Hier wurden Ostwald und Böttinger als 1. und 2. Vorsitzende des Vereins gezählt und die grundlegende Struktur mit zusätzlichen „Beisitzern“ (heute „ständiger Ausschuss“) sowie der Mitgliedsbetrag von damals 15 Mark festgelegt. Das entsprach damals etwa 1% des Jahresgehaltes eines höheren Lehrers oder Rektors einer Schule.

Die Gründer und die ersten Ehrenmitglieder (EM, Bunsen, Hittorf, Kohlrausch, Wiedemann, Walden, alle 1894, van’t Hoff und Arrhenius, beide 1895 zum EM gewählt) können auch als Mitbegründer der damals sehr jungen Physikalischen Chemie betrachtet werden. Ostwald (1894–98) und van’t Hoff (1898–1902) waren die frühen 1. Vorsitzenden, gefolgt von Henry Theodor von Böttinger aus der Industrie (Bayer AG, 1902-1905) und Walther Nernst (1905-1908).

Sehr früh war auch die Theoretische Chemie neben der „selbstverständlichen“ Elektrochemie in die Physikalische Chemie mit einbezogen worden, wie etwa aus Walther Nernsts und van’t Hoffs Lehrbüchern aus dieser Zeit ersichtlich ist.

Nach dem Tode des berühmten ersten Ehrenmitgliedes Wilhelm Robert Bunsen (im Jahr 1899) erschien es nach einer intensiven Debatte angebracht, dass die Gesellschaft mit erweitertem Horizont und im Andenken an ihr erstes Ehrenmitglied 1902 in „Deutsche (Bunsen-)Gesellschaft für angewandte physikalische Chemie (früher Deutsche Elektrochemische Gesellschaft)“ umbenannt wurde. Im Laufe der Jahrzehnte wurde dies dann zum heute gebräuchlichen Namen „Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie“ vereinfacht, mit dem Kürzel DBG (oft auch einfach Bunsen-Gesellschaft).

 

Die Hauptversammlung der Bunsen-Gesellschaft

Die Tradition der jährlichen Hauptversammlungen an wechselnden Orten besteht seit Entstehung der Gesellschaft. Wir können als frühe Beispiele der Jahre, Orte und Teilnehmerzahlen 1897 München (165), 1900 Zürich (109), 1904 Bonn (135), 1908 Wien (164), 1912 Heidelberg (189) herausgreifen. Auch die von Anfang an nationale Grenzen überschreitende Natur des Vereins ist hier ersichtlich.

Die zunehmende Bedeutung der physikalischen Chemie nach der großen Zäsur des ersten Weltkrieges kann man aus den Teilnehmerzahlen an den jährlichen Bunsen-Tagungen ersehen, wieder repräsentiert durch einige Beispiele: 1921 in Jena (250), 1928 in München (318), 1929 in Berlin (452), 1931 in Wien (500). Allerdings nahmen die Teilnehmerzahlen in der Zeit des Nationalsozialismus wieder etwas ab: 1934 in Bonn (224), 1939 in Danzig (307). Natürlich ging die Katastrophe der nationalsozialistischen Diktatur und des folgenden Zweiten Weltkrieges und der deutschen Spaltung nicht spurenlos an der Bunsen-Gesellschaft vorüber, aber in der Nachkriegszeit des „Wirtschaftswunders“ erlebte die DBG eine neue Blüte, mit Mitgliederzahlen über 1500 nach 1964 und wachsenden Teilnehmerzahlen bei den Bunsentagungen, regelmäßig über 600 ab 1953 bis 1968 und mit Maximalwerten über 800.

 

Entwicklung der Migliederzeitschrift

Die erste „Zeitschrift für Physikalische Chemie“ war schon 1887 gegründet worden, vor der Gründung der Deutschen Elektrochemischen Gesellschaft. Die Zeitschrift des Vereins war allerdings die „Zeitschrift für Elektrotechnik und Elektrochemie“, später in Zeitschrift für Elektrochemie umbenannt.

Ab 1905 hieß die Vereinszeitschrift „Zeitschrift für Elektrochemie und angewandte physikalische Chemie“. Erst im Jahre 1952 erfolgte hier die Umbenennung in „Zeitschrift für Elektrochemie, Berichte der Bunsengesellschaft für physikalische Chemie“, dann 1963 in „Berichte der Bunsengesellschaft für physikalische Chemie, früher Zeitschrift für Elektrochemie“, schließlich 1981 in „Berichte der Bunsengesellschaft – An International Journal of Physical Chemistry“ und 1995 in „Berichte der Bunsengesellschaft, Physical Chemistry Chemical Physics“.

Die Bunsen-Gesellschaft und die Faraday Society entschieden sich, die jeweils eigenen Zeitschriften (die "Berichte der Bunsengellschaft“ und die „Faraday Transactions“ zugunsten einer neuen gemeinsamen Zeitschrift aufzugeben. Diese neue Zeitschrift „Physical Chemistry Chemical Physics“ (PCCP) wird heute international von insgesamt 18 wissenschaftlichen Gesellschaften mitgetragen.

Nach einigen Geburtswehen hat sie sich als wissenschaftlich und organisatorisch außerordentlich erfolgreich erwiesen. Dies ist vielleicht die wichtigste Entwicklung seit dem 100jährigen Jubiläum 1994.

Seit 1999 erscheinen Mitgliedernachrichten, wissenschaftliche Beiträge und andere Neuigkeiten aus den Bereichen der physikalischen Chemie im Bunsenmagazin.

 

Zur Förderung der physikalische Chemie: Ehrungen und Preise

Die Bunsen-Gesellschaft wirkt auch über die Förderung von Personen und über die Verleihung von Ehrungen und Preisen auf die Entwicklung der Physikalischen Chemie ein.

Die früheste Ehrung war die schon erwähnte Ehrenmitgliedschaft. Eine weitere, früh eingeführte Ehrung ist die Bunsen-Denkmünze, die seit 1908 verliehen wird. Sie wurde ab 1993 durch die Walther-Nernst-Denkmünze ergänzt.

Eine besonders wichtige Ehrung ist der Nernst-Haber-Bodenstein-Preis, der jährlich an jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Alter bis maximal 40 Jahre verliehen werden soll, wobei dieser Preis bewusst als Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses konzipiert ist, für Personen, die noch ohne permanente Anstellung auf einer Professur tätig sind. Meist lässt nach dieser Preisverleihung allerdings der erste Ruf nicht lange auf sich warten.

Van't Hoff (seit 2009) ist der höchstdotierte Preis der Bunsen-Gesellschaft und wurde in neuester Zeit von unserem Ehrenmitglied Gerhard Ertl gestiftet. Er richtet sich an herausragende Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Physikalischen Chemie, die schon „arriviert“ sind und etwa in der Mitte ihrer Karriere stehen.

Ein weiterer neuer Preis richtet sich an ganz junge Personen nicht zu lange nach der Promotion (bis zum Alter von maximal 35 Jahren): Der Ewald-Wicke-Preis wurde erstmals 2012 verliehen. 

Die Bunsen-Gesellschaft trägt auch weitere Preise gemeinsam mit anderen Organisationen, wobei hier besonders der Hellmann-Preis der Arbeitsgemeinschaft für Theoretische Chemie (seit 1999 erstmals verliehen), der Alfred-Saupe-Preis (ab 2010), der Paul-Bunge-Preis (ab 1993), oder der Klaus-Jürgen-Vetter-Preis (ab 2000) und der Albert-Weller-Preis (ab 1999) erwähnt werden sollen.

Unter den Namensvorlesungen sollen hier die Wilhelm-Jost-Vorlesung (ab 1992) und die Theodor-Förster-Vorlesung (ab 1976 bzw. 1991) hervorgehoben werden. Zum 200. Geburtstag von Robert Bunsen wurde die jährliche Robert-Bunsen-Vorlesung 2011 eingerichtet.

 

Die vorliegende kurze Zusammenfassung der Geschichte der DBG stützt sich maßgeblich auf das ausführliche, mehr als 300 Seiten umfassende Buch von Walther Jaenicke "100 Jahre Bunsen-Gesellschaft 1894 1994" , das 1994 erschienen ist. Wir verweisen ausdrücklich auf dieses sehr lehrreiche und gründliche Werk.